Liebe Besucherinnen und Besucher der IfaK-Website,

leider hat sich trotz intensiver Bemühungen um Förderung die finanzielle Situation unseres Instituts in den letzten Jahren so dramatisch verschlechtert, dass wir in den letzten Monaten das Institut nur noch ehrenamtlich betreiben konnten. Wir werden dies, bezogen auf die inhaltliche Arbeit, auch weiterhin tun. Doch leider können wir die Aktualität unserer Website nicht mehr garantieren, wie Sie sicher schon bemerkt haben.
Wir werden die Website (Stand: Mai 2015) trotzdem weiter Online lassen, damit Sie auf die alten Informationen zugreifen können. Mails an das IfaK (ifak@hdm-stuttgart.de) werden wir versuchen weiterhin zu beantworten. Informationen zur "CD des Monats" finden Sie bei unserem Kooperationspartner Stiftung Zuhören (http://www.zuhoeren.de/home/hoer-und-leseempfehlungen/cd-des-monats.html).
Bei Fragen zur Leseförderung und Giraffe Online können Sie sich an Prof. Susanne Krüger (kruegers@hdm-stuttgart.de) wenden.
Prof. Dr. Richard Stang betreut weiter die Sammlung "KinderMedienWelten" und andere medienpädagogische Fragestellungen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen bald wieder den gewohnten Service im Netz zur Verfügung stellen können.

Ihr IfaK-Team

Hochschule der Medien (HdM)

Kinder- und Jugendzeitschriften

Entwicklung und Geschichte der Kinderpresse

 

Die Anfänge der Kinderpresse im 18. Jahrhundert
  • Die Wurzeln der heutigen Kinderzeitschriften reichen in das 18. Jahrhundert zurück.
  • Mit der Aufklärung begann das Interesse an pädagogischen Fragen.
  • Die Ausgrenzung der Kindheit von der Erwachsenenwelt führte zu der wissenschaftlichen Erforschung dieses Lebensabschnittes.
  • Damit waren die Voraussetzungen für die Entstehung spezifischer Medien für Kinder geschaffen. Diese sollten die Kinder sozialisieren, bilden und unterhalten.
  • Eine besondere Bedeutung erhielten die Blätter zu Bildungs- und Erziehungsfragen wie die „Moralische Wochenschriften“.
  • In der „Wochenschrift zum Besten der Erziehung und Jugend“ (1771) wurden nicht nur Erwachsenenbeiträge abgedruckt; sondern auch Fabeln, Gespräche und kleine Lustspiele, die sich direkt an Kinder richteten.
  • Der Umfang der Kinderseiten in den Erwachsenenblättern schwankte, da sie zu Beginn häufig als Lückenfüller verwendet wurden.
  • Die erste eigene Kinderzeitschrift war die „Monatsschrift für Kinder“ aus dem Jahr 1770.
  • 1775-1788 veröffentlichte der Pädagoge Christian Felix Weiße „Der Kinderfreund“. Inhaltlich bot er naturkundlich Bildendes, Gedichte, Lieder, Kinderschauspiele und Erzählungen.
  • Die Kinderzeitschrift als neues Medium hat Erfolg. Bis 1789 folgte eine Gründungswelle von Kinder- und Jugendzeitschriften. Es erschienen 43 Wochenblätter im deutschsprachigen Raum.
  • Zielgruppe der Blätter waren überwiegend Kinder des Bürgertums.
  • Kinderzeitschriften hatten eine durchschnittliche Auflage von 5000 Exemplaren.
  • Inhaltlich boten die Kinderzeitschriften Fabeln, Märchen, Briefe, Sachberichte, Rätsel, Lustspiele, belehrende und unterhaltende Stoffe, sowie aktuelle Berichte die sich i.d.R. auf Jahreszeiten und Festtage bezogen.
  • Die damaligen Kinderzeitschriften waren nur sehr dürftig mit Bildern ausgestattet. Eine Ausnahme bildete jedoch „Der Kinderfreund“, der über eine abwechslungsreiche Ausstattung mit Kupferstichen und Liedblättern verfügte.
  • Die Kinderzeitschriften sollten die Kinder unterhalten, sie naturwissenschaftlich-technisch belehren, ihnen moralisch-sittliche Normen, sowie Fleiß, Sauberkeit und Gehorsam vermitteln.
  • Neben Wochenschriften und Monatsblättern, die hauptsächlich an Jugendliche gerichtet waren, existierte daneben eine reine Kinderzeitung „Die Kinderzeitung“. Sie wurde 1777 gegründet und war eine Beilage der Erwachsenenzeitung „Pädagogische Unterhaltung“.
  • Die frühen Kinderzeitungen verfügten über aufklärerischen Elan. Sie behandelten die Kinder zwar als ungebildete, aber dennoch bildungsfähige Wesen.


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Die Entwicklung bis 1933
  • Bei den meisten frühen Kinderzeitschriften und Beilagen für Kinder dominierte ein Stil, der weder vom pädagogischen Zeigefinger noch von Simplifizierungen und Klischees geprägt war. Dies sollte sich jedoch ändern. Ein versüßlichter Ton, die Vereinfachungen und eine „Gefühlsüberbetonung“ führten zu einer Stagnation in der Entwicklung des Kinderzeitschriftenmarktes.
  • Eigenständige Kinder- und Jugendliteratur traten verstärkt auf den Markt und standen in unmittelbarer Konkurrenz zu den Kinderzeitschriften.
  • Ab der 2. Hälfte des 19 Jhd. hatte man die Möglichkeit Bilder farbig zu drucken. Beispielhaft kann hier die„Kinder-Gartenlaube“ (1886-1891) genannt werden, die bunte Kinderszenen, Tafeln im Postkarten-Stil, sowie belehrende und unterhaltende Stoffe enthielt. Mit ihrem Inhalt richtete sie sich an 7 bis 15 jährige Kinder.
  • Neue Drucktechniken ermöglichten eine deutliche Auflagensteigerung und führte zu einer langanhaltenden Lebensdauer der Zeitschriften
    Bürgerliche Jugendschriften können zu Beginn des 20 Jhd. in folgende unterteilt werden:
  1. Zeitschriften die von Lehrerverbänden herausgegeben wurden,
    z.B. „Jugendlust“ (1875), die heute noch unter dem Titel „Floh“ existiert;
  2. Unterhaltungsblätter z.B. „Heiterer Fridolin“ (1921-1928);
  3. Konfessionelle Blätter z.B. „Die Burg“ (1919-1939) und
  4. Zeitschriften mit belehrendem Charakter.
  • Neben den eigenständigen Kinderzeitschriften, erschienen weiterhin zahlreiche Kinderbeilagen in den Zeitungen für Erwachsene.
  • Zwischen 1905- 1910 kamen Kundenzeitschriften bzw. Werbeblätter auf den Markt:
  1. in hoher Auflage;
  2. von der Firma selbst, oder einem Verlag herausgegeben;
  3. 1910 erschien die Kundenzeitschrift von Rama „Der kleine Coco“; ab 1926 „Die Rama-Post vom kleinen Coco“. Beide Zeitschriften erreichten eine Auflage von 2 Mio. Exemplaren.
    Später erschien dann „Rama-Post vom lustigen Fips“
  • Diese Werbeblätter orientierten sich in Themenwahl und Gestaltung (Comics und Cartoons) sehr stark an den Bedürfnissen der Kinder.
    Inhalt: Märchenhafte, heitere, bunte Bildergeschichten mit anthropomorphen Tieren, sehr Produktbezogen
  • Seit 1925 erschienen auch Kundenzeitschriften für den Einzelhandel (z.B. 1937 erschien das erste „Lurchi“ Heft von Salamander).
  • Von 1918-1931 gab es 449 Kinder- und Jugendzeitschriftentitel

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Nationalsozialismus (1933 – 1945)
  • Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden alle Kinder- und Jugendzeitschriften eingestellt.
  • An ihrer Stelle traten Organe der Hitlerjugend „Junge Welt“ und des NS-Lehrerbundes „Hilf mit“.
  • Weitere NS-Zeitschriften:
  1. „Jungdeutsches Volk“,
  2. „Wille und Macht“,
  3. „Der Pimpf“.
  • Diese Nationalsozialistischen Jugendzeitschriften erreichten bis zu ihrer Einstellung 1945 eine Auflage von 3, 5 Mio. Exemplaren.

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Entwicklung nach 1945
  • Nach 1945 setzte in Westdeutschland ein grundlegender Wandel auf dem Kinderzeitschriftenmarkt ein.
  • Viele Organisationen gaben eigene Kinder- und Jugendzeitschriften heraus.
  • Es lassen sich 3 Etappen in dieser Zeit ausmachen:
  1. bis ca.1948: Restauration traditioneller Kulturbürgerlicher Werte;
  2. bis ca. 1955: Jugendpflege /Kampf gegen den „Schmutz und Schund“;
  3. seit 1956: Kommerzialisierung der Kinder- und Jugendpresse.
  • 1946-1951 erschien die von Erich Kästner herausgegebene Zeitschrift „Pinguin“. Sie wurde monatlich vom Rowohlt-Verlag unter amerikanischer Lizenz herausgebracht. Ihre Beiträge dienten der Charakterbildung und richtete sich, wie die meisten dieser Jahre, i.d.R an Jugendliche und junge Erwachsene.
  • Politische Themen wurden kaum behandelt. Man konzentrierte sich auf Abenteuer- und Detektivgeschichten, auf Humor und Witze, sowie auf Berichte über Erfindungen und Entdeckungen.
  • Es entstanden Zeitschriften, die speziell für bestimmte Schulfächer konzipiert und weitgehend auch über Schulen vertrieben wurden.
    Eine der erfolgreichsten Kinder- und Jugendzeitschriften in den 1950er Jahren war „Die Rasselbande“ (1953-1965) mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren.
  • Während der 1960er Jahre bildeten sich die wesentlichen Strukturen des heutigen Kinderzeitschriftenmarktes heraus.


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Kinderzeitschriften heute
  • Augenscheinlich herrscht ein großes und ständig wechselndes Angebot auf dem Kinderzeitschriftenmarkt.
  • Die Mehrheit der Titel sind jedoch beliebig austauschbar, da Inhalt und Aufgabenstellung ähneln:
  1. Geschichte/Erzähltext/Comic
  2. Berichte über Tier, Natur und Umwelt
  3. Spiele, Gewinnspiele und Rätselseiten
  4. Malvorlagen und Bastelanweisungen
  5. Witze
  • Eine Vielzahl der heutigen Kinderzeitschriften werden zunehmend im Medienverbund vermarktet.
  • Viele Kinder wenden sich auch dem Jugend- und Erwachsenenzeitschriftenmarkt zu. Nennenswert sind in diesem Zusammenhang die TV-Serienzeitschriften und BRAVO.
  • Kinderzeitschriften befinden sich im Taschengeldrahmen und Locken mit Gimmicks.
  • Jugendeigene Kinderzeitschriften sind heute nur noch sehr selten.
    Am einflussreichsten sind die Webezeitschriften wie „KNAX“, „Junior“ oder „Medizini“.
  • Pädagogisch ambitionierte Kinderzeitschriften sind i.d.R im Abonnement zu haben und lassen sich für die Verlage eher über schulische Sammelbestellungen an den Leser bringen.


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