Redaktion Zukunft

3D Street Art – eine Kunst, die dem Betrachter zu Füßen liegt

Interview mit der Straßenkünstler Christiane Jessen-Richardsen über die Besonderheiten der 3D Straßenkunst, geführt von Jessica Marx, MWB7.


15.01.2013

Illusionsmalerei, die die Grenzen der Realität verschwinden lässt

Eine Schlucht, die in der Innenstadt Nähe Duisburg aufbricht oder ein reißender Fluss, der in einem Wasserfall in Verona endet: 3D Street Art fasziniert. Zahlreiche Fußgängerzonen weltweit werden derzeit von dieser neuentdeckten Kunstform revolutioniert, die die Fußgän-ger ins Staunen versetzt. Schon vor etwa 20 Jahren entstand die neue Kunst, bei der es sich um sogenannte anamorphotisch verzerrte Bilder handelt, die nur von einem bestimmten Blickwinkel aus erkennbar sind. Anfangs malten die Straßenkünstler ausschließlich mit Kreide, was einen entscheidenden Nachteil hatte: die Bilder waren dem Wetter ausgesetzt, wodurch es schon einmal vorkommen konnte, dass ein fast fertiges Kunstwerk vom Regen erbarmungslos weggespült wurde.

Heutzutage werden die Bilder auch oft auf einer großen Folie, Leinwand oder ähnlichem vorgemalt, um sie vor Ort schneller zu vollenden. Dabei entsteht nicht nur der Vorteil der Haltbarkeit, sondern auch der besseren Vorbereitung und Präzi-sion des Bildes. Am Ende wird das Bild den vorherrschenden Bodenverhältnissen so ange-passt, dass keine Folie mehr erkennbar ist. Eine andere Möglichkeit ist, feste Farben zu ver-wenden, die durch den Regen nicht weggespült werden und haltbarer auf der Straße sind.


Kunstwerke fordern Passanten heraus


Die Wahrnehmung des Betrachters wird bei einem 3D-Kunstwerk ganz neu hinterfragt. „Durch unsere Kunst verwirren wir die Augen der Menschen“, sagt Christiane Jessen-Richardsen, eine erfolgreiche und bekannte deutsche Straßenkünstlerin. Wir werden dazu angehalten, genauer hinzusehen und uns zu konzentrieren. Fragt man sie, worin der Reiz liegt, 3D Street Art zu fertigen, macht sie sich genau das zunutze: „Was ich an der Straße gut finde, ist, dass man sich der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen kann, die Kunst halt eben auf die Straße bringt.“ Dadurch nehmen sich die Betrachter mehr Zeit für die Bilder, sie bleiben stehen und staunen.

Weitere Besonderheiten dieser Kunstform verbergen sich schon hinter den Merkmalen der Straßenkunst: Sie wird auf der Straße gemalt. Betrachter laufen direkt am Bild vorbei, sie haben die Möglichkeit bei der Entstehung zuzusehen und all das, ohne auch nur einen Cent Eintritt zu bezahlen: Die Kunst kommt zum Betrachter. Da Straßenkünstler ihre Werke der Öffentlichkeit frei zur Verfügung stellen, sind sie auch auf die Wertschätzung des Publikums in Form von Geldern angewiesen. Jeder Straßenkünstler freut sich über das sogenannte Hutgeld, wodurch die Betrachter ihre Anerkennung der Werke zeigen und die Künstler ihre Reisekosten, Materialkosten und sonstiges decken können.

Abseits der Straße


Die Straßenmalerei ist in vielen Städten zu bewundern: Egal ob zweidimensional oder drei-dimensional, die Kunstwerke zu Füßen der Passanten erreichen eine große Zahl an Zuschauern mit ihren Botschaften. Dies haben bereits auch viele Unternehmen bemerkt und nutzen vor allem 3D-Straßenkunstwerke als Werbebotschaft für ihre Produkte. Das besondere an den dreidimensionalen Abbildungen ist, dass der Passant Teil des Bildes wird: Künstler geben eine Stelle im Bild vor, an der man sich platzieren kann, so dass man möglichst echt in das gemalte Geschehen hineinversetzt wird und als Andenken Fotos schießen kann.

Das ist sowohl für Künstler als auch für die Unternehmen eine der besten Möglichkeiten, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Mithilfe des Internets begann auch der große Hype um die Straßenkunst der anderen Art. Viele Künstler werden mittlerweile für Events aller Art gebucht oder besuchen Festivals rund um die dreidimensionale Straßenkunst. 2011 fand in Wilhelmshaven erstmals das Internationale Street Art Festival statt und zu diesem Anlass wurde beim letzten Mal dort sogar ein Rekord aufgestellt. Denn hier malten vier Straßenkünstler das größte 3D Straßenbild der Welt: Eine 1570 Quadratmeter große Landschaft mit Wasser, Bergen und Tieren.

Die Macher

Jessica Marx, Studentin Medienwirtschaft (Bachelor) (01.09.2009 - 28.02.2013)

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